Bars in Brüssel – Eine Exkursion
Der Belgier an sich ist anders. Neben der Unfähigkeit eine Schneeschippe zu gebrauchen, zeigt sich das – im etwas alltäglicheren Leben vor allem an Kassen- und sonstigen Warteschlangen. Dort sinkt das Arbeitstempo der Kassiererin/Bedienung auf geradezu unheimlich magische Art ganz exakt potential zu der Länge der Schlange. Wer jetzt einwedet, dies sei ein grundsätzliches durch ein spezielles Kassierer-Gen hervorgerufenes und vor allem weltweit bekanntes Phänomen, dem möchte ich entgegen halten: Nein! Stellt euch dieses Szenario bitte in einem europäischen Land eurer Wahl vor - nehmen wir der Einfachheit wegen Deutschland. Besagtes Phänomen der Langsamkeit führt in deutschen Wartschlangen unweigerlich zu Schimpftiraden, genervtem auf die Uhr blicken oder nervösem Suchen nach einer vielleicht schnelleren Schlange. In Belgien jedoch scheinen die Einheimischen diese Wartezeit auch noch zu genießen – und wenn nicht das, dann nutzten sie die selbe zumindest geschickt. Viele legen zwei Sachen auf das Förderband an der Kasse um dann in ca. sieben einzelnen “Ausflügen” den restlichen Einkauf Schritt für Schritt hinzuzufügen. Und: die Zeit dafür genügt – leicht!
Aber auch im Nachtleben sind die Belgier…anders. Die Club-, Bar- und Pub-Szene ist eine sehr ausgeprägte in Brüssel und die Art der Lokalitäten ist mindestens so ausgefallen wie das belgische Warteschlangen-Verhalten. Exemplarisch dafür steht wohl das “Celtica” in der Nähe der Börse. Was von aussen aussieht wie eine von vielen – auch im schönen Bayern ja nicht ganz unbekanten – Irish Pubs entpuppt sich innen als unglaubliche Fusion von Alkohol-Lager, Pub, Sportsbar und Kleinstraum-Hip-Hop-Trash. Im unteren Stockwerk gibt es neben einer für belgische Verhätlnisse zwar nur mittelmäßig, für deutsche Sitten aber doch sehr gut bestückten, Bier-Theke ab 22 Uhr am Wochenende Live-Musik. Ein-Man-”Bands” mit Gitarre, Mikro und Oasis “Wonderwall” sorgen da für Stimmung wie sie sonst fast nur bei Lagerfeuer-Romantik auftritt. An den Wänden hängen etwas konträr dazu neueste HD-Flachbildschirme und läuft da nicht gerade irgendein Sportevent mit irischer Beteiligung (oder sonst einem Team das in grünen Trikot spielt) sieht man dort die Live-Übertragung aus dem ersten Stock. Und damit wird es erst richtig unglaublich! Zwängt man sich also an den Irish-Pub-Liebhabern, sturzbetrunkenen Männern in Fantasie-Uniformen und Punk-Gruppen mit Todes-Irokesen vorbei und die steile Treppe nach oben, findet man sich in einer Disco wieder, wie sie seines gleichen bei mir zuhause in der Gegend sucht. Krasse Hiphop Beats (optisch entsprechendes Publikum, wenn ihr wisst was ich meine), ein verglast und vergittertes DJ-Pult, eine Tanzfläche von der größe meines Schlafzimmers – ich wohne übrigens bescheiden was das angeht – und gefühlte 840 verschwitzte Menschen. Nur einige Sekunden später schallt ein Technoremix von Nessun Dorma aus den Boxen, alle gehen ab – der DJ dreht den “Trash-Regler” auf. Legende! Nur zur Erinnerung: ich schreibe immer noch von dem gleichen Laden wie zu Beginn meiner Ausführungen. Belgien ist eben…anders!